Kapitel 3 Die Realität
Kapitel
3
Die
Realität
Ich
wachte früh auf. Wie gewöhnlich schaffte ich es doch tatsächlich, zehn Minuten bevor mein Wecker klingelte, bei Bewusstsein zu sein.
Viel half mir das jedoch nicht. Ich war immer sehr knapp bei Zeit
zwischen Aufstehen und zur Schule gehen. Schnell machte ich mich auf
zur Küche und aß etwas. Danach nahm ich ein paar Früchte mit in
meine Tasche und ging auch schon raus. Das Auto meiner Mutter stand
wieder in der Einfahrt. Ich lief den Weg entlang zur Schule hin. So
langsam fing ich an aufzuwachen. Die Blätter fielen für mich so
schön langsam auf den Boden. Die Ansicht verzauberte. Manche Dinge
schienen unmöglich für mich, so kamen in diesem Moment
Erinnerungsfetzen auf. Solche hatte ich des Öfteren. Sie waren meist
ein Anzeichen von der Müdigkeit die von mir abfällt und mich meine
Träume sehen lässt. „Oh man, waren das wieder mal Träume.
Verrückt.“ Die Gedanken von anderen Leuten werden in mir weiter
getragen. Ich bin ein Produkt der anderen. Geschichten von anderen
werden in diesen Herzen weitergetragen, werden wiederholt, werden
eingeschlossen.
Im
müden Zustand war ich immer etwas aggressiv, achtete besonders auf
die nonverbalen Dinge, die Gesten der anderen, musste mich dabei
jedoch zurückhalten. Besonders störten mich dann auch unnötige
Dinge. Vor dem Schultor angekommen waren schon wieder so Leute, die
meinten es wäre besonders cool jeden ihren Musikgeschmack
mitzuteilen. Auch wenn ich innerlich eine Wut hatte und am liebsten
zuschlagen würde, hielt mich mein gesunder Menschenverstand zurück.
„Solche Art Menschen werde ich wohl nie verstehen“, war meine
Meinung dazu, wohl auch, weil ich mich nie in solchen Kreisen
bewegte. Ich wollte eigentlich nur den Unterricht irgendwie bestehen
und zu Hause etwas Mittagsschlaf halten.
Die
erste Unterrichtsstunde fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Ich
bereute es so spät schlafen gegangen zu sein, aber andererseits
konnte ich auch nicht viel dafür. Mein Leben hatte sich immerhin
ziemlich geändert in den letzten Tagen. Ich sah jetzt selbst die
Leute um mich herum ganz anders. Das ganze Leben schien für mich wie
neu geschrieben. Seitdem ich wusste, dass ich etwas besonderes war,
fühlte ich etwas mehr Selbstbewusstsein in mir, obwohl ich es nicht
nutzen brauchte. Es gab nichts, wofür ich es bräuchte, meine etwas
lustlose Art an diesem Tag versperrte mir jeglichen Blick für Neues.
Sollte ich etwa neue Freundschaften schließen? Im Unterricht
glänzen? Ich hatte keine Zeit mir darüber Gedanken zu machen. Die
Müdigkeit überwog in mir, wollte einfach nicht gestresst werden. Ab
und zu versuchte ich meine Arme mitsamt Kopf auf den Tisch zu legen.
Es schien mir aber zu unhöflich gegenüber dem Lehrer und deshalb
lehnte ich mich etwas zurück in eine bequeme Haltung. Ein Glück,
dass es nur der Deutschunterricht war und der Lehrer die halbe Stunde
nur laberte. „In Mathe müsste ich jetzt irgendwas rechnen. Oh man!
Das würde mich umbringen …“ Ich starrte während der Stunde nur
auf die halbwegs schönen Mädchen in unserer Klasse. An diesem Tag
schienen mir diese besonders hübsch ... diese prallen Ärsche. Ich
war wohl zu geil oder mich hatte Katharina einfach zu stark
angeturnt. Letztlich ging die Stunde schneller vorbei als gedacht und
es war endlich Pause, auch wenn mir das nicht viel Freude brachte.
Die nächste Stunde würde Sport sein.
Wir
waren auf dem Weg zum Sportplatz. Einige Jungen vor mir spuckten auf
die Erde, auf ihre eigene Mutter. Ich konnte so etwas nicht ab. Mir
fiel Sport nie einfach. Ich hatte keinen guten Körper für langes
Rennen oder Joggen. Für mich war das Gefühl der Erschöpfung
einfach eklig, besonders da ich mir immer soviel Mühe gab im
Unterricht und mich dadurch immer bis kurz vor dem „umfallen“
anstrengte. Es war wenigstens ein angenehm warmer Spätsommertag, so
dass man nicht von der Hitze zusätzlich erschöpft wurde. Die
Ausgrenzung mangels meiner Fähigkeiten vollzog sich trotzdem. Der
Marsch des Todes fing an. Die Massen trennten sich in Gruppen, Leute
unfähig mit ihrem eigenen Tempo zu laufen, orientierten sich an
Mitstreiter. Ich war im hinteren Abteil, hinter mir waren nur zwei
andere. „Keine Gegner für mich. Es ist keine Konkurrenz. Ich sehe
nie den Wettbewerb. Ich bleibe cool wie Eis am Stiel.“
Dieses
scheiß Gefühl vom Sportunterricht durchzog sich noch durch die
ganze nächste Pause in meinem Körper. Ich war im nächsten
Unterrichtsraum, lag etwas müde halb auf dem Tisch, neben mir ein
süßes Mädchen. Es war der Biologiekurs, darum hatte ich ein
Mädchen aus der anderen Klasse neben mir. „Du siehst so erschöpft
aus ...“, sagte sie zu mir. „Oh ja“, antwortete ich nur. Im
nächsten Moment bat sie mich mit auf Toilette zu kommen und es …
passierte etwas mit Worten nicht Denkbares. Meine Gedanken an diesen
Moment waren so unglaublich lebhaft, es war immerhin das erste Mal:
Sie
hatte ein schöne Figur und beim berühren ihres Körper hatte ich
dieses unglaublich schöne Gefühl eines geschmeidigen Körpers. Ihre
langen braunen Haare bis zum Arsch turnten mich unglaublich an, ihr
Pony zurückgesteckt. Ich werde allein durch ihren Körper in wenigen
Momenten erregt, so schnell bekam ich sonst keinen hoch. Ohne zu
wissen was ich machen sollte, machte sie meine Hose auf. Ihr lächeln
versüßte mir den Moment. Überwältigt von ihrer Schönheit,
erstarrte ich. Die Erschöpfung schien wie verschwunden von mir. Ich
war ganz gepackt von der Situation. Ich fing an unter ihre Bluse zu
fassen, sie streckte ihre Arme ein wenig nach vorne, die Bluse
verschwindet. Sie lief nach vorne, ich wurde auf den Klodeckel
getrieben. Sitzend „stürzt“ sie sich auf mich, sitzt auf meinen
Schoß, zu mir gerichtet. Mein Penis war dabei wie eine Kompassnadel
gerichtet. Der Tag war wie ein Traum. Sie zieht ihren BH aus. Ich
fasste ihre Brüste an, rieb sie, hörte ihre zarte, süße Stimme
aufkommen, ein leichtes Stöhnen. Ich war in eine Art Rage, begnügte
mich nur mit ihren Brüsten, reichten sie ja auch vollkommen aus,
suchte ich nicht noch nach mehr. Sie rieb weiter meinen Schwanz,
dabei war sie sehr delikat. Sie wusste, wie sie mich nicht sofort
kommen ließ, aber das half nicht viel. Im nächsten Moment hörte
ich nur die Worte „so schnell“. Ich habe es kaum mitbekommen, war
so in einem Zustand des Glücks, sah als nächstes nur viele weiße
Flecken auf ihrem Oberkörper und meinen Händen. Einige Sekunden
ließ sie mich noch weiter machen, ging dann aber runter von mir und
zum Waschbecken.
Es
war eine Szene wie im Film für mich. Ich hätte nie gedacht, dass
mir so etwas je passieren würde. Ihr Name „Melanie“ würde für
immer in meinem Kopf bleiben, masturbierte ich später noch so einige
Male von ihr. Im restlichen Unterricht passierte nichts besonderes.
Es interessierte mich eigentlich auch nicht besonders, ob sie nur ein
Quickie mit mir haben wollte, oder vielleicht eine Beziehung. Für
diese eine Erfahrung war ich ihr für immer dankbar, auch wenn die
Gesellschaft nicht viel von solchen Dingen hielt und man sie wohl als
Schlampe bezeichnen würde. Ich persönlich hielt ja nicht viel von
diesen Bezeichnungen. Manche Leute waren halt so und manche so. Mich
störten eher Mädchen die Oberflächlich von Anfang an sind, das
waren für mich wahre „Bitches“, aber das war auch nur meine
Meinung. Ich hatte einen kurzen Tag und konnte nach dem
Biologieunterricht wieder nach Hause gehen. Mein Schulweg war einsam.
Nicht viele Leute gingen in meine Richtung, wo ich wohnte und die,
die es taten, waren uninteressant für mich. Einige Jungen, die eh
nicht so beliebt waren und ein hässliches Mädchen. Ich war zwar
nicht oberflächlich, sah aber keinen Grund mich mit unbeliebten oder
hässlichen Leuten anzufreunden, wenn es nicht sein musste.
Vielleicht ab und zu aus Langeweile hatte ich mit welchen geplaudert,
aber dass war eher die Ausnahme. Etwas verträumt war ich den Weg
nach Hause gelaufen und dementsprechend schnell war ich zu Hause vom
Gefühl her. So zückte ich meinen Schlüssel und öffnete die Tür,
wo auch schon jemand auf mich „wartete“. Mein kleiner Bruder
stand im Gang, vor dem Kücheneingang. Begrüßend schaute er mich an
und sagte: „Willkommen“. Er schien auf das Essen zu warten. Das
war immer so, wenn meine Mutter zu Hause war. Mein Bruder wartete nur
bis es fertig wurde. Ich ging also in die Küche und begrüßte meine
Mutter. „Es gibt Spaghetti, deine Lieblingssorte sogar“, sagte
sie zu mir. Ich freute mich. Es schien so, als ob der Tag unglaublich
gut lief. Nicht häufig passierte mir so etwas. Sonst kannte ich
immer nur die Tage, an denen es Essen gab, was ich nicht mochte, was
vielleicht sogar von mir gekocht war, weil sich meine Mutter es
wünschte, oder irgendwas anderes lief am Tag schief. Manche könnten
meinen, dass das Essen nicht das Wichtigste am Tag war, aber für
mich war es sehr wichtig. Schlechtes Essen verdarb mir die ganze
restliche Stimmung für einen Tag. Wir setzten uns also am Tisch, das
Besteck wurde zuvor von meinem Bruder ausgelegt. Das Gespräch
während des Essens verlief wie immer sehr phatisch und belanglos für
mich. Konnten sie nicht über etwas für mich Interessantes reden?
Ich wollte doch nur einen gleichmäßigen Trommelschlag in meinem
Leben fühlen, einen Takt, einen Rhythmus, der mir die Bewegung
erleichterte. Auf dieser Welt ging es doch immer wieder bergab und
bergauf, aber der Geschmack der Nudeln im Einklang mit der Soße war
einfach herrlich. Es fing an draußen zu regnen. Ein Sommerregen: Das
war das Schönste, was ich mir vorstellen konnte in dieser
Jahreszeit. Die Schwüle, die einen in lüsterne Gedanken schwelgen
lässt und dazu die angenehme Wärme des aufgewärmten Bodens. Es
trieb mich gerade dazu wieder durch die Tür zu gehen, raus in die
Außenwelt, die sieben Farben der Glückseligkeit sehen. Man konnte
sich gar nicht vorstellen, wie ich manche banal erscheinenden Momente
einfach genoss, wie ein guter Film der vor einem abläuft, so fühlte
es sich an als ich rausging.
Meine
Beine führten mich auf bekannten Wegen durch unbekannte Bilder. So
sollte mir das Simple, das Schöne im Leben nicht lange erhalten
bleiben. Es fing an. Die Wolken wurden dunkel, schwarz. Wie
lächerlich es doch schien. In einem kleinen Areal nur, ich konnte
sehen wie zehn Meter vor mir der Regen aufhörte. Blitze erhoben sich
zu den Wolken. Sie schlugen hinter mir ein. Ein plötzliches Gewitter
verdarb mir innerhalb eines Momentes die ganze Freude. Man spürte
wieder die Angst vor dem Tod. Mein Herz pochte einmal ganz stark zu
dieser Zeit. Es war beängstigend. Fühlte man doch sein Herz sonst
nur so selten und nahm man es wahr, so bangte man um seine Funktion.
War es doch diesmal nur ein Zufall und kein Ereignis Gottes, das mich
traf. Ich ging also schweren Herzens wieder nach Hause.
Meine
Kleidung war nass und mein Körper rau gerieben. Schnell zog ich mich
aus und ging unter die Dusche. Das warme Wasser entspannte und ließ
mich in perverse Gedanken abdriften, wie so oft an diesem Ort. Das
beengende der Dusche ließ eine Geborgenheit in mir aufkommen,
zusammen mit der Wärme war es wie eine Art Mutterbauch. Die Zeit
ging recht schnell vorbei und ich war auch schon fertig. Mit Handtuch
ging ich in mein Zimmer, lag mich auf mein Bett. Die Sorgen schienen
alle nicht vorhanden für diesen Moment, war es doch fast schon zu
erwarten, dass etwas passieren würde. Lyn erschien mir.
Lyn:
Die Ereignisse der letzten Tage... . Ich habe dich alleine gelassen,
weil ich doch hoffe, dass du weißt: Ich trage wenig Verantwortung
für dich. Du musst selbstständig werden.
Arata:
Worauf willst du hinaus? Habe ich etwas falsch gemacht?
Lyn:
Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Du solltest dir Gedanken drum
machen, wem du traust oder mit wem du deine Zeit verbringst.
Arata
wirkt etwas genervt.
Arata:
Danke. Ich werde das beherzigen.
Lyn:
Oh, das hoffe ich.
Lyn
lächelt.
Sie
erinnerte mich doch so an meine Mutter, aber das taten viele Frauen,
auch in Filmen, wenn sie einfach mal ihre belehrende Phase hatten. An
sich wusste ich, sie meinten es nicht böse, aber ich assoziierte
immer schlechte Gedanken, Emotionen, Situationen damit. An diesem Tag
hatte ich eigentlich sonst nichts anderes vor als etwas zu lernen und
Zeit für mich zu haben. Eine Nachricht erschien auf meinem
Mobiltelefon. „Monster, wohin du auch schaust, überall. Schaust du
überhaupt hin? Oder siehst du sie?“ Ich schaute aus meinem Fenster
– niemand war da. Der Absender war wie immer „Unbekannt“. Es
erinnerte mich an etwas. Ich wollte ja noch zum wöchentlichen
Treffen. Hin und her überlegte ich, wie sinnvoll es wäre dort
aufzukreuzen und wie sie über den Vorfall von Gestern wohl
diskutieren würden beziehungsweise was ich dazu sagen sollte. Wie
ist es wenn niemand nichts weiß. Es wäre ein Leben ohne alles.
Selbstbewusstsein ist zu wissen, wie eine soziale Situation ausgeht,
Erfahrung in ihr gesammelt zu haben, sich in ihr wohlzufühlen. Ich
hatte davon nicht allzu viel und konnte deshalb auch schwer den Mut
zusammenfassen. Hinzu kam, dass ich an diesem Tag viel Neues erlebt
hatte und eigentlich den Tag abschließen wollte. Vergaß ich doch
viele Einzelheiten eines Tages, wenn ich viel erlebt hatte. Die Zeit
verzieh es mir dennoch nicht, wird meine Existenz doch weiter
aufrechterhalten. Verdrängte ich doch manchmal die Zeit, und
verdrängte ich alles andere auch, versuchte mich darauf zu
konzentrieren, mich nicht darauf konzentrieren, zu müssen – Das
Schlechte ausblenden.
Wir
waren doch nur eine Ansammlung von Erfahrungen und ich habe sozial
immer sehr wenig gehabt. Wie könnte ich nun bis Drei zählen, wenn
mir die Eins nie beigebracht worden ist und die Zwei mich auffressen
könnte? Warum redet niemand über banale Situationen? Vergisst er
sie? Denkt er, sie sind nicht wichtig für andere? Langweilen sie?
Will man doch Leute unterhalten? Worüber unterhalten sich Leute?
Die
Zeit kam. Ich fasste den Mut zum wöchentlichen Treffen zu gehen.
Mein Bauchgefühl quälte mich. Ich musste vorher noch mehrere Male
auf Klo. Davor spielte ich mit mir selbst eine Runde Patience und
hörte meine Musik. Fing ich doch einmal an zu laufen, bewegten sich
meine Beine bis zum Ziel wie von selbst.
Ich
kämpfte gegen das Klopfen meines Herzens an. Zerstörte ich meine
Distanz zu meinen Hemmungen, kam ich näher zu unerwarteten Dingen.
Meine Persönlichkeit änderte sich, wenn es denn so etwas wie
Persönlichkeit überhaupt gibt. War ein Mensch doch nur von anderen
beschrieben, so sollte er es doch auch werden, nenne man mich faul
finde ich mich damit ab, nenne man mich spontan versuche ich doch
spontan zu sein.
Am
Ziel angekommen sah ich jemanden vor der halboffenen Tür stehen. Ich
ging auf ihn zu. Noch nie zuvor war ich in dieser Gegend bei Abend.
Um den Morgen greifen zu können musste ich an ihm vorbei, egal ob
mit verbaler Kommunikation oder ohne. Irgendwann verlor ich auch
diese Hemmung. Ich nickte ihm zu und er nickte zu mir, während ich
durch die Tür lief. Die kurze Erlösung änderte sich in eine neue,
unbekannten Situation. Durch den Flur sah ich eine offene Tür mit
drei großen Tischen. Ich begab mich in diesen Raum und suchte mir
einen Tisch zum sitzen aus. An jedem Tisch saßen ungefähr vier bis
fünf Leute. Wortlos ging ich zu dem am weitesten links Stehenden,
zog einen Stuhl heraus und ließ mich fallen. „Sergej ist noch
nicht da“, meinte einer der Personen zu mir. Es war eine Frau.
„Aha“, antwortete ich nur. Die Dinge lösten in mir ein
Unwohlsein aus. Am liebsten wollte ich nicht hier sein. Ich versuchte
daran zu denken, was ich sagen könnte. „Irgendetwas sollte mir
doch einfallen, dass es etwas entspannter machte“, waren meine
Gedanken. Mir fiel die Zeit lang nichts ein. Es kamen noch ein zwei
Leute in den Raum und dann ... Sergej trat in den Raum. Er stellte
sich sich vor den drei Tischen, sodass alle ihn sehen konnten. Er zog
die Aufmerksamkeit von jeden auf sich und guckt jeden einmal kurz an.
Seine höhere Position innerhalb der Gläubiger wird klar.
Sergej:
So sind wir alle zusammengekommen wie jede Woche. Jeder der
Altanwesenden wird sie kennen, die Themen des Tages. Bevor wir die
drei Punkte abgehen, wollte ich doch etwas über den gestrigen Abend
erzählen. Wie wohl die meisten wissen, gab es gestern einen Überfall
auf unsere monatliche Veranstaltung. Die Anti-Gemeinschaft, wie sie
sich nennt, hat sich endlich sichtbar gemacht für uns. Ihre Anhänger
schlugen auf unsere. Am Ende flohen wir, um ein sinnloses Blutbad zu
umgehen.
Eine
Person von Aratas Tisch steht auf.
Unbekannter:
Und was wollen wir gegen sie unternehmen? Wir können nicht jedes mal
fliehen.
Sergej:
Oh, Jan. Ich weiß was dich betrübt. Sei deine Ehre nicht verletzt
wegen des Schmerzes, der dir zugefügt wurde. Er war doch nur
körperlich. Wir werden beraten. Die Höchsten unserer Stadt werden
zusammenkommen. Sorge dich nicht.
Jan
setzt sich wieder hin.
Meine
Gedanken hingen fest an den letzten Worten. Sie wollten etwas
unternehmen gegen die Anti-Gemeinschaft. Was hatte das für mich zu
bedeuten? Ich konnte Sergej nur noch wenig zuhören.
Sergej:
Die Götter sind immer noch nicht zufrieden genug. Sie wüten immer
noch in unserer Stadt, dort, wo viele Ungläubige auf einen Fleck
sind. Wir dürfen diese Leute nicht länger dieser Wut aussetzen.
Ich
war mir nicht sicher, sollte ich versuchen mit Katharina Kontakt
aufzunehmen? Selbst wenn ich wollte, wie? Vielleicht konnte ich
herausfinden, wo sie wohnte oder herausfinden, wo sich die
Anti-Gemeinschaft träfe. Ob Sergej das wohl wusste?
Sergej:
Kommen wir nun zum zweiten Punkt. Es sieht so aus, als ob die Schule
in unserem Bezirk schon wieder unseren Antrag für den
Gottesunterricht abgelehnt hätte. Wir wollten deshalb eine Petition
für unsere Gemeinde starten. Am Abschluss der Sitzung bete ich
darum, dass Freiwillige vortreten, die uns dabei helfen.
Meine
Schule wurde erwähnt. Ich konnte es kaum fassen, lebte ich die
ganzen Jahre ohne zu wissen, was hier abging. Es gibt doch zu viele
Kulturen außerhalb des normalen Lebens, außerhalb des Sichtbaren.
Fühlte ich mich so blind wie noch nie zuvor. Auf der Veranstaltung
am gestrigen Tag kam es mir nicht so vor, aber wenn man von den Taten
hört ...
Sergej:
Als letztes führen wir heute die Präsenz an. Einige unsere
Mitglieder zeigen sich nicht oft und seit dem letzten Ereignis
scheint es mir so ... Es besteht die Möglichkeit, dass manche
gewechselt sind, zum Glauben der Anti-Gemeinschaft. Wir haben deshalb
beschlossen unsere nicht mehr regelmäßig erscheinenden Mitglieder
zu besuchen. Auch hier: Nach der Sitzung können Freiwillige
vorkommen. … .
Sergej
setzt sich auf einen Stuhl, der vor den Tischen steht.
So
gut wie jeder stand auf und ging vor zu Sergej. Sie trugen sich auf
Listen ein. Entweder für Punkt 2 oder 3 wie ich von der Seite sehen
konnte. Ich wollte mich nicht anstellen. Konnte mich nicht
entscheiden, zu bleiben oder nicht zu bleiben. Es war meine Frage an
mich selbst. Ich stand noch kurz herum und ging dann doch. Mir fehlte
der Mut mit Sergej zu reden, besonders wenn man sich nicht als
Mitglied fühlte, wollte ich es ja auch nicht sein, aber er erwartete
es. Manchmal war meine Ehrlichkeit einfach eine schlechte Sache für
mich. Ich begab mich nach draußen, der Türsteher war auch schon
weg. Während ich den Weg nach Hause lief begegnete mir doch
tatsächlich die Person ... Eigentlich hatte ich sie ja mehr oder
weniger erwartet, tief im Innern. Selbst wenn die Welt ihren
Untergang ankündigen würde, gäbe es immer wieder Überraschungen
für mich. Glaubte ich doch immer an eine andere Person. Diese
Katharina turnte mich immer mehr an. Ich stand einfach total auf
„starke“ Frauen, wahrscheinlich weil ich wusste sie brauchten
keinen Helden. Tief in ihren Herzen sind sie dennoch wie jede andere
Person auch: eine Person. Katharina stand an einer Ecke, an der ich
einfach vorbeilaufen musste, wie mir dann noch einfiel. Wenn du
willst dann lache doch, ich bin nämlich ein Genie. Fand ich es
wunderschön wenn Leute sich nach Glück sehnten, aber wäre dieses
doch nur möglich ohne Auswirkungen auf Andere. Ich bin so glücklich
wie niemand anderer.
Katharina:
So. Was hast du gesehen?
Arata:
Es faszinierte, erschreckte. Ich ging zu früh, aus Feigheit heraus.
Katharina:
Verständlich. Hätte jemand gewusst, dass du Kontakt mit mir hast
... Aber nun gut, so viele kennen mich nun auch nicht. Kommen wir
lieber zum Punkt.
Arata:
Ich freu’ mich.
Er
lächelt nicht.
Katharina:
Vielleicht hast du es vergessen, aber mein Bruder muss immer noch
erlöst werden ...
Arata
starrt auf den Boden.
Arata:
Ich weiß ...
Katharina:
Wir werden wohl nicht noch einmal eine Gelegenheit bekommen,
höchstens in einem Monat, aber darauf kann man sich auch nicht
verlassen. Du solltest versuchen ihn auch so zu befreien.
Arata:
(Kurze Pause.) Vielleicht wenn ich in seinem altem Zimmer
wäre, oder irgendein besonderer Ort von ihn?
Katharina:
Hmm? Warum hast du mir das nicht früher gesagt?
Arata:
(Kurze Pause.) Hmm ...
Katharina:
Über seine Lieblingsorte müsste ich noch einmal nachdenken, aber
sein Zimmer kannst du sofort sehen. Es ist noch nicht aufgeräumt.
Meine Mutter lebt alleine und wir hatten beide keine Lust.
Arata:
Wo wohnst du dann?
Katharina:
Woanders ...
Arata:
Hmm ...
Katharina:
Hmm ... mm!
Arata:
Eigentlich bin ich heute zu müde.
Katharina:
Was bist du mir denn für ein Weichei?
Arata
sein Gesichtsausdruck bleibt normal.
Arata:
Jetzt, wo du es sagst. Vielleicht hab ich doch noch ein bisschen
Kraft.
Hatte ich wirklich vergessen … über meine „Bestimmung“? War ich doch so konfrontiert worden mit anderen Dingen. All diese Dinge ließen mich die Zeit vergessen, mein Zeitgefühl ließ nach. Wann tat ich was? Meine Gedanken von Ereignissen waren nicht sortiert, dennoch entschloss ich mich es zu tun. Ich ging mit Katharina mit. Sie führte, wir liefen nicht auf einer Ebene. Eigentlich mochte ich sie vom Äußerlichen her ziemlich und ihre starke Persönlichkeit erst. „Wenn ich doch bloß wüsste wie man einem Mädchen näher kommt“, dachte ich mir. Viel Erfahrung in diesem Bereich hatte ich noch nicht gesammelt. Bis jetzt waren die meisten Mädchen eher anhänglich zu mir, ich musste nicht viel tun, keine Herzen erobern. Katharina fing an mit mir zu reden. Wir redeten über die Ereignisse, die vor unserem Gespräch passierten. Sie nahm den Bericht von Sergejs Rede etwas emotionslos auf. Es schien sie nicht sonderlich zu überraschen. Wahrscheinlich war ihr eh vieles bekannt. Für mich war sie immer noch ein Mysterium und für dieses hatte ich keine Lüftung in Sicht, noch eine Idee dafür wie man es lüftet. Nicht allzu lang dauerte es und wir kamen an. Ich wunderte mich zuerst nicht, dass scheinbar niemand zu Hause war. Die Frage wollte mir auch nicht meinen Gedanken entspringen. Wir gingen Treppen hinauf. Das Haus erinnerte mich an das von Alexa, der Grundriss schien mir recht ähnlich. Kurz schwelgte ich im Innern ab. Mein Penis erregte sich etwas. Vielleicht lag es auch daran, dass ich den Arsch von Katharina beim heraufsteigen der Treppen sah. Einfach Klasse. Sie führte mich vor einer Tür. „Tritt ruhig ein, wenn es dir denn hilft“, sagte sie zu mir und ließ mit einer Geste deutlich werden, dass ich vor sie eintreten sollte. Kam mir zu diesem Moment doch einer meiner schlaueren Einfälle. Ich wechselte erst einmal in die Zweite Ebene, nur aus reiner Neugier und um sicher zu gehen, wo ich war. Der Übertritt fühlte sich etwas schwerer an als normal, es musste wohl an der Müdigkeit gelegen haben. Ich versuchte meine müden Augen zu fokussieren. Viele bunte Farben waren wieder vor mir. Es waren lila-pink leuchtende. Was für eine schöne Farbe, aber irgendwie empfand ich Trauer dabei. Die Ebene affektierte wieder meinen Gefühlszustand. Es war einfach unbeschreiblich, wie wenn man sah, dass jemanden Unrecht getan wurde, so ungefähr war die Empfindung. „So war es auch ...“, flüsterte es mir eine männliche, wohlwollende Stimme. Sie war sehr beruhigend. Nur wenige Menschen besaßen solch eine Stimme. Es musste wohl Katharinas Bruder gewesen sein. Er vermittelte, wie bei Elenas erstem Treffen auch, einige seiner Gefühle. Es waren diesmal keine Erinnerungsfetzen dabei, sondern überwiegend Emotionen. Im nächsten Moment verließ ich die Ebene. Ich wusste ich konnte vor der Tür alleine nicht viel ausrichten. „Dein Bruder, war er ein sehr gelassener Mensch? Freundlich? Nett?“, fragte ich Katharina. „Oh ja, scheint, als ob du ihn getroffen hättest“, antwortete sie. Ich hatte innere Zweifel, Zweifel, die man kaum wahrnahm, die man sich nicht eingestand, aber diesmal war es anders. Ich sagte es mir selbst: „Irgendwas war hier merkwürdig.“ Obwohl ich kurz vor dem Zimmer des Bruders stand, schien er nicht sehr nah. Nicht einmal seinen Namen konnte er mir sagen. Dann fiel es mir ein ... Ich musste an dem Ort seines Todes sein. „Ich glaube ... ich muss zu dem Ort seines Todes.“ Katharina war etwas überrascht, obwohl man ihr das kaum anmerkte. „Natürlich ..., aber vielleicht nicht mehr heute, jetzt ist es wohl wirklich zu spät. Ich glaube du weißt, wie du nach Hause kommst, oder?“ Natürlich wusste ich es, und machte mich auch auf dem Heimweg. Wir verabschiedeten uns nicht richtig. Einfach nur ein Winken. Katharina schien noch in diesem Haus bleiben zu wollen. Ich malte mir aus, dass sie wohl um ihren Bruder trauerte, nachdem ich ihn erwähnt hatte ... Der Weg nach Hause ließ mich an vieles denken, wie immer öfters in letzter Zeit. Ich fühlte mich aufgewühlt. Im Sinne von: es waren so viele Dinge aufeinmal, kaum eine Pause war mir in dieser Zeit gegönnt. Immer war etwas los. Es war sogar so, dass ich mich auf die Schule freute, da ich ein relativ guter Schüler war und dieses ohne viel aufpassen im Unterricht, deshalb schien sie mir recht entspannend und ich vermisste sogar die alten einfachen Tage, die ich zum Beispiel in der Grundschule verbrachte. Zuhause angekommen wollte ich nur noch eines: Schlafen ... und das tat ich auch.
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