Kapitel 1 Kräfte
Kapitel
1
Kräfte
Es
wurde ganz hell vor meinen Augen. Ich war verwirrt, es konnte doch
nicht schon Morgen sein ...
Inmitten
der göttlichen Ebene findet ein Gespräch statt.
Gott
1: Der neue 1000-Jährige scheint eine ganz andere Persönlichkeit zu
haben, als der durchschnittliche Mensch.
Gott
2: Tja, es ist halt Zufall. der Kandidat wird von der Botin
willkürlich ausgesucht, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob sie
selbst doch große Kontrolle darüber hat.
Gott
1: Wer wohl diesmal gehen muss?
Ein
Grinsen auf dem Gesicht des dritten Gottes tritt hervor.
Gott
3: Vielleicht endlich du?
Gott
4: Hmm ...
Gott
2: Es ist nicht abzuwenden. Obwohl unsere Existenz immer schwächer
wird ... und wenn er nun auch noch Seelen befriedigt ...
Gott
1: Widerlich so etwas. Wir sollten bloß nicht den selben Fehler wie
letztes Mal machen.
Gott
2: Vielleicht sollten wir intensiver eingreifen, als beim letzten
Mal?
Gott 1: Was vor fünf Jahren geschah, startete auch mit solch einer merkwürdigen Persönlichkeit. Wir sollten wohl wirklich versuchen, etwas „einzugreifen“.
Gott 1: Was vor fünf Jahren geschah, startete auch mit solch einer merkwürdigen Persönlichkeit. Wir sollten wohl wirklich versuchen, etwas „einzugreifen“.
Gott
4: Tch … die Botin.
Die
Götter blicken nach hinten.
Gott
1: Die Botin?
Gott
2: Das Auge … er weiß von uns.
Die
Götter sind in einem Nebel verschwunden.
-
Dialog der Götter -
Es
wurde wieder dunkel vor meinen Augen. Am frühen Morgen wachte ich
auf, es war relativ früh, eigentlich gar nicht meine Zeit, aber ich
fühlte mich gut.
"Was
hab' ich da im Traum gesehen?“, musste ich mich mit Erstaunen
fragen. Es kam in mir hoch, das Gespräch von diesen merkwürdigen
Gestalten. Sie hatten alle die Silhouetten von normalen Menschen,
aber man konnte sie nicht ansehen, als ob ein großer Schatten
umhüllend um ihnen lag. Ich hoffte, dass die Botin käme wie auch
sonst immer. Sie kam nicht. Ich wartete in meinem Zimmer ungefähr
zwei Minuten und ging dann zum Kühlschrank. Ich stillte meinen
Hunger mit einem Joghurt. Ich war verwirrt, konnte kaum meine
Gedanken sortieren. Immer wieder kamen die Gedanken um Elena, die
Botin und diesen „Traum“ in meinem Kopf zum Vorschein. Es schien
so, als ob ich wohl für eine lange Zeit nicht zum normalen Alltag
zurückkehren konnte. Die schönen Tage waren vorbei.
Ich
wollte mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Ein Glück war
Samstag und ich musste mir keine Sorgen um meinen Bruder machen, der
wohl noch schlief. „Ob er wohl mitbekommt, dass etwas anders ist?“,
fragte ich mich. In diesem Moment trat sie in Erscheinung: die Frau
mit ihren langen, schwarzen Haaren und dem weißen Kleid. Sie blickte
mir mit ihrem ausdruckslosen Gesicht in die Augen. „Du musst noch
viel lernen. Deine Fähigkeiten sind dir vielleicht noch nicht
bewusst, aber sie sind bereit genutzt zu werden. Nutze sie!“, sagte
sie mir mit ihrer sanften Stimme. „Kann ich sie auch nutzen um dich
zu rufen?“, fragte ich. „Ja, wenn du genug Willen aufbringst,
aber dein erstes Ziel sollte es sein, deine Kräfte für deine
Bestimmung zu nutzen“, erwiderte sie ohne eine Sekunde vergehen zu
lassen. Ich musste mich kurz hinsetzen und sammeln. In der Tat hatte
ich etwas in meinem Körper gespürt, was sich verändert hatte. Die
Botin war wieder verschwunden, was mich nicht überraschte. Ich stand
auf und war entschlossen. Eigentlich dachte ich immer, Dinge die mich
nichts angingen, wie die Geschichte eines kleinen Mädchens namens
Elena, würden mich nie interessieren, aber scheinbar hatte ich mich
verändert. Es fühlte sich an, als ob ich auf eine ganz andere Weise
Empathie erlernt hätte ...
Ich
war wieder am Brunnen, setzte mich neben ihm und dachte nach: „Wie
kann ich Elena „befriedigen“?“ Ich versuchte ruhig und tief
einzuatmen. „Etwas muss es doch geben, was mir einen Anhaltspunkt
verschafft“, dachte ich mir. Ich schaute auf den Boden vor mir ...
Ich
sah ... kleine, blau leuchtende Punkte. Ich stand rasch auf. Sie
waren wieder weg. "Konzentriere dich, finde deine Kräfte und
nutze sie“, flüsterte es mir. Ich grinste kurz und fing an mich zu
konzentrieren. Weiter und weiter konzentrierte ich mich, schloss die
Augen, obwohl es Tag war wurde meine Sicht immer dunkler. Ich riss
die Augen wieder auf, als ob es ein Reflex wäre. So fühlte es sich
an.
Meine
Sicht war neu ... alles war dunkel, bis auf die blauen Punkte, die
ich vorhin schon sah. Ich drehte mich um: eine rot leuchtende
Silhouette, die sich bewegte. Es war ein Mensch. Ich drehte mich
weiter um und schaute. Die Welt sah ganz anders aus. Für den Versuch
die Botin zu rufen, dachte ich an sie. Eine weiße Erscheinung vor
mir trat auf. Es war sie. Ein Dialog folgte:
Arata:
Was ist das hier?
Die
Botin: Nun, da du die dunkle Ebene sehen kannst. Solltest du auch
meinen Namen hören können: „Lyn.“
Arata:
Lyn ... kannst du mir trotzdem erzählen, was das hier ist?
Lyn:
(Kurze Pause.) Natürlich, das hier ist die zweite Ebene, die
dunkle Ebene. Es gibt drei Ebenen. Die erste kennt jeder Mensch. Sie
ist das, was alle normale Lebewesen sehen. Die Zweite ist die, die du
gerade entdeckt hast und nun ja die dritte hast du wohl letzte Nacht
gesehen.
Arata:
Dieser „Traum“ ... wer waren diese Leute?
Lyn:
Die Götter, aber das ist jetzt unwichtig. Du solltest dich jetzt
konzentrieren und versuchen dich in der neuen Ebene zurechtzufinden.
Fokussiere deine Gedanken auf dein Ziel ...
Arata
schaut in ihre Augen.
Lyn:
Viel Erfolg ...
Sie
verschwindet vor seinen Augen.
-
Das Übernatürliche -
Wie
ich es hasste, dass Lyn immer so verschwand, aber manche Dinge waren
nun einmal so. Ich schaute die blauen Punkte an. Sie schwebten
einfach so über den Boden. Ich ging näher zu ihnen, versuchte sie
zu greifen. Ein blaues Licht erschien in meinem Blickwinkel. Mein
Blick ging nach oben für mehr Überblick. Es schien, dass zwei
Häuserreihen hinter dem Brunnen, es weitere blau leuchtende Punkte
gab. Ich schloss meine Augen, versuchte an Licht zu denken ...
Es
wurde wieder hell, ich war in der „normalen Ebene“. Es kribbelte
in meinem Bauch. „Was war das gerade ... unglaublich“, dachte ich
mir. Ich fühlte mich unbeschreiblich. Ich wusste, ich hatte
Fähigkeiten, die kaum jemand anders besaß. Ich lächelte und machte
mich auf den Weg zu dem Haus mit den blauen Lichtern. Schritt für
Schritt spürte ich eine gewisse Atmosphäre, obwohl mir die Straße
bekannt war, schien mich etwas zu beeinflussen. Ich spürte... die
Schwere, dann bemerkte ich es. Ich lief an dem Haus vorbei, wo Alexa
gelebt hatte, gestorben war. Ich hielt kurz an. Die genauen
Todesumstände hatte ich nie in Erfahrung bringen können und genau
deswegen hatte ich auch eine gewisse Neugier. Ich erinnerte mich
zurück an den Anblick ihrer Leiche, sie sah nicht verbrannt aus,
eher ihrer Lebenskraft entzogen. „Ich hätte vielleicht den
Fernseher anschalten sollen... oder vielleicht im Internet
nachgucken“, dachte ich mir. Ich lief weiter. Es kam mir merkwürdig
vor, dass die Straße so sauber schien nach den ganzen
Blitzeinschlägen. Ich wusste, ich musste mich später darüber
informieren, wie das sein konnte. Ich lief weiter in die Nebenstraße,
wo mein Ziel lag.
Ich
stand endlich vor dem Gebäude. Es sah etwas anders aus, als in
meiner Sicht der dunklen Ebene. Es war heruntergekommen und alt,
vielleicht hatte es hier gebrannt. Man konnte keine Bewohner sehen,
ich schaute auf die restlichen Häuser der Straße. Sie sahen alle
normal aus. „Eins, zwei drei“ und ich sah wieder die dunkle
Ebene. Es waren Lichter im Garten des Hauses, noch mehr im Inneren
als außerhalb, besonders viele im ersten Stock, linkes Zimmer.
„Vier, fünf, sechs“, ich sah wieder normal. Es strengte mich
etwas an, in der dunklen Ebene zu sehen. Es fühlte sich wie leichte
Kopfschmerzen an. Ich ging an der Seite des Hauses entlang über
einen kleinen Zaun. „Manche schießen, um zu töten, ich aus
Befähigung“, sagte eine Stimme von der Seite aus der Wand heraus
... Ich hielt an, war verblüfft. „Wo kam diese Stimme her?“ Ich
konnte es mir nicht erklären. Es war nicht die Stimme der Botin,
diese war anders, zwar auch weiblich aber viel rauer. Mein Herz
klopfte, ich hatte Angst. Mir wurde bewusst, dass es wohl auch
Gefahren mit sich brachte, der sogenannte 1000-jährige zu sein. Ich
stand hinter dem Zaun und musste mich kurz sammeln. Nur mit langsamen
Schritten kam ich weiter voran. Meine Atmung wurde plötzlich
schwerer. Was geschah? Ich versuchte mich an der Hauswand zu stützen.
Es half nichts. Ich fiel wieder auf meine Knie, wie es schon einmal
geschah. „Jetzt beginnt alles ...“, hörte ich als letzte Worte
bevor mich die Schwere komplett traf, stärker als je zuvor.
-
Das ist, war mein Leben -
Elena
erzählte mir aus ihrem Leben:
Es
war als ich 12 war. Ich traf mich oft mit Freunden. Eine ganz
besondere lebte hier. Ihr Name war Erika. Es war ein klarer blauer
Himmel an diesem Tag. Ich war an genau der selben Stelle, an der dein
Körper jetzt verweilt. Nur mit dem Unterschied, dass das Haus hier
noch so aussah wie die anderen. Meine Eltern waren genau wie deine,
keine Gottesanbeter, so wie die meisten halt. Darum konnte ich mir
die Dinge zunächst auch nicht erklären. Es war ein göttliches
Ereignis, solch eines wie vor zwei Tagen. Ich bin nun zwei Monate in
dieser Ebene. Es ist die zweite Ebene. Du scheinst noch nicht stark
genug zu sein, Geister in dieser Ebene zu sehen, sondern nur ihre
stärksten Lebenskräfte aus ihren ehemaligen Leben. Woher ich das
alles weiß, fragst du dich bestimmt. Ich war schon immer intelligent
für mein Alter, aber das ist es nicht. Normalerweise befinden sich
Geister in der dritten Ebene, wo sie von den Göttern absorbiert
werden. Die Götter brauchen diese Kraft der Geister, wenn sie nicht
genug Opfer kriegen, wie es nun seit einigen Jahren so ist. Ich habe
aber eine Art Geschäft gemacht mit dem dritten Gott, er lässt mich
als Geist hier in der zweiten Ebene und im Gegenzug opferte ich ihn
alles, was ich besaß. Ich dachte, ich könnte in dieser Form
glücklicher sein... nachdem ich meine beste Freundin verloren hatte.
Es ... and ... ere ...
Die
Verbindung zu Elena brach plötzlich ab. Die Schwere fiel von Arata.
"Das
Spiel ist Schmerz“, sagte mir die Stimme, die ich vorhin schon
hörte. Sie hängte noch ein merkwürdiges Lachen an ihren Satz,
dabei etwas psychopathisch klingend. Wieder in meinem Bewusstsein
fühlte ich mich komisch. Warum war die Verbindung zu Elena plötzlich
weg gewesen? Ich wusste es nicht. Der Entschluss zu dem Zimmer zu
gehen, wo Elenas Lebenskraft am stärksten verweilte, stand für mich
fest.
Ich
erinnerte mich zurück an die Zeit in der Grundschule. Ich war einer
der Letzten, die noch zum „Gottesunterricht“ mussten, einem Fach,
welches schon lange obsolet war in vielen Teilen des Landes. „Das
Prinzip der Lebenskraft: Jedes Objekt besitzt welche. Sie wird beim
Opfern direkt in die dritte Ebene geschickt, damit die Götter diese
zu sich nehmen können, aber falls durch besondere Umstände, eine
Opfergabe nicht angenommen wurde, bleibt sie in der zweiten, bis sich
ein Gott entscheidet sie anzunehmen“, so wurde es mir damals
beigebracht. An diesem Tag hatte ich wohl extrem viel Adrenalin
ausgeschüttet, so aufregend war alles gewesen. Ich lief weiter in
den Garten hinter dem Haus, schaute nach oben und überlegte, wie ich
in das Zimmer kommen könnte. „Versuchen die alte Tür mit Gewalt
zu öffnen, wäre vielleicht zu laut. Ich könnte natürlich
versuchen hochzuklettern, über diesen kleinen Baum, ein Sprung an
das Fenster und dann durch das Loch der kaputten Glasscheibe fassen,
welches nah am Griff der Innenseite ist“, dachte ich mir. Ich
wusste, es war ein verrückter Plan, aber dank meiner eher kleinen
Hände für einen Jungen, könnte ich es schaffen. Ich kletterte von
einem Ast auf den nächsten bis ich an den Ast, der am nächsten zum
Fenster war, gelangte. Ich balancierte dort mit meinem Beinen für
eine kurze Zeit und bereitete mich somit auf den Sprung vor. Ich
sprang. Es fühlte sich einfach an, obwohl ich nie gut in Sport war,
fühlte ich mich zu dieser Zeit extrem sportlich. Ein Erfolgserlebnis
für mich. Ich war an dem Fenster und stand mit meinen Zehenspitzen
auf einem kleinen Vorsprung. Es war unerträglich und ich konnte
nicht sehen wo genau der Griff war, weil ich zu groß und mein Kopf
über dem Fenster war. Nach kurzem Tasten fand ich ihn und öffnete
das Fenster. Ich kletterte hinein. Das Zimmer stank zum Glück nicht
und es war auch nicht stickig, aber es gab trotzdem etwas, was mich
bedrückte … Die ganze Atmosphäre war unheimlich. „Als ob hier
ein Geist hausen würde“, dachte ich sofort. Ich hoffte, etwas
würde passieren, sobald ich im Zimmer war, aber es passierte nichts,
also fing ich an mich umzusehen. Es lagen Spielsachen auf dem Boden,
links von mir in der Ecke ein Schachset, rechts von mir ein paar
Plüschtiere. „Oh ja, Schach hab ich früher auch gern gespielt und
dieser Teddy sieht verdammt süß aus“, sagte ich leise zu mir
selbst. Ich nutzte den nächsten Moment, um in die andere Ebene zu
sehen. Die Spielsachen waren blau. Es war etwas in einem Schrank
hinter mir, was lila leuchtete. Ich öffnete ihn ohne die Ebene zu
wechseln ... Ich wusste nicht, was ich tat, als auf einmal vor meinen
Augen eine Art Geist in Erscheinung trat. Dieser Geist war nicht
Elena, es war ein festgekettetes Mädchen in diesem Schrank. Sie
schien kraftlos, ihr Körper war zusammengesackt. Sie richtete ihren
Kopf auf und schaute mich an mit einem durchdringenden Blick, der
mitleiderregend und verzweifelt zugleich war. „Be … freie mich“,
sagte sie leise. Ich wusste, ich musste ganz cool an die Sache
herangehen. Ein angeketteter Geist, lila leuchtend, minderjährig und
der wollte, dass ich ihn befreie. Da sollte man nicht auf falsche
Gedanken kommen. Das Offensichtlichere war aber nun einmal, dass ich
sie mithilfe der Spielzeuge befreien müsste. Nur ich wusste noch
nicht wie. „Wenn mir Elena doch bloß helfen könnte ...“, und im
selben Moment konnte ich sie wieder sehen. Der Dialog setzte sich
fort:
Arata:
Was ist passiert?
Elena:
Ich war nicht mehr anwesend ... nicht mehr bei Bewusstsein, obwohl
das als Geist gar nicht geht ... Es ist merkwürdig, ich glaube es
ist das Werk der Götter.
Arata:
Hmm, ich hatte vorher eine merkwürdige Stimme gehört, bevor du mit
mir gesprochen hast.
Elena:
Hörte sie sich an wie ein psychopathisches Mädchen was ungefähr
fünfzehn Jahre alt ist?
Arata:
Genau.
Elena:
(Kurze Pause.) Dann war es vielleicht Erikas ältere
Schwester. Aber sie sollte schon lange in der dritten Ebene sein.
Vielleicht sogar schon längst verzehrt.
Arata:
Wer ist dieses Mädchen im Schrank?
Elena
guckte in den Schrank.
Elena:
Es ist schon so lange her ... Erika ...
Elena
ging zu dem Schrank und schaute sie an.
Erika:
Ele … na.
Elena:
Warte noch ein wenig länger. Er wird dich bald befreien ... Arata,
du musst die Lebenskräfte in diesem Raum nutzen, um sie zu befreien.
Arata:
Wie? Und warum ist sie überhaupt hier gefangen?
Elena:
Keine Zeit für Erklärungen … Versuch die Kräfte zu bewegen,
Richtung Schrank, damit Erika sie nutzen kann, um sich zu befreien.
Es sind immerhin zum größten Teil ihre Lebenskräfte, also kann sie
damit am meisten bewirken.
Aratas
zynisch-sarkastische Ader tritt zum Vorschein. Sein Tonfall ändert
sich.
Arata:
Toll, Lebenskraftmanipulation in der zweiten Ebene, oder was? Na gut,
ich versuch' es.
-
Die Manipulation von Leben -
Obwohl
ich mich etwas überfordert fühlte von all diesen neuen Fähigkeiten
und Konzepten, versuchte ich es. Im Nachhinein wusste ich, es war
alles Schicksal gewesen. Mit einer gewissen Naivität ging ich an
diese Sache heran und versuchte die Kräfte zu steuern. Ohne jegliche
Anleitung von irgendwoher fokussierte ich nicht die blauen Punkte
selbst, sondern die Gegenstände, ich machte mir ein Bild im Kopf –
zuerst vom Schachset. Als ob es ein natürlicher Prozess wäre,
konnte ich fühlen wie die Lebenskraft Teil von mir wurde. Es
entstand ein gelb glitzernder Faden hinführend zu den blauen
Punkten. Er war an mir gebunden. Ich fühlte in mir, wie dieses
Schachset benutzt worden war, fühlte wie ich einzelne Erinnerungen
abrufen konnte. Dachte ich nur kurz an Erika, so erschienen alte
Spiele von ihr in meiner Vorstellung, die sie mit diesem Set spielte.
Ich lenkte die Lebenskraft, als ob sie ein neuer Teil meines Körper
wäre, in Richtung Erika. Schon bevor sie ganz bei ihr war,
absorbierte sie diese. Die Partikel verteilten sich gleichmäßig auf
ihren Körper und ihre Farbe wurde heller. Ich tat dasselbe mit den
Plüschtieren. Ich spürte die fröhlichen Stunden, die mit ihnen
verbracht worden sind. Sie waren aber viel herzlicher als die, die
ich beim vorherigen Gegenstand spürte. Meine Augen wurden etwas
feucht. Ich fokussierte meine Kraft darauf, sie zu Erika zu lenken.
Es passierte alles sehr schnell und sie wurde hell, so hell wie
Elena, gerade zu weiß. Die Ketten sprangen auf, und sie schwebte
geisterhaft in der Luft. Ein Tor öffnete sich vor ihr, direkt vor
ihrem Herzen. Es strahlte ein geradezu blendendes Licht aus. Ich
streckte meine Hand gen Tor und hörte: „Warte ..., das ist nicht
deine Aufgabe!“ Es war Elena, die es mit erhobener Stimme sagte.
Ich wich zurück und Elena näherte sich dem Tor. Aus ihrem Körper
traten viele Lebenskraftlichter. Sie flogen in das Tor und Erika
löste sich so langsam auf. „Danke ...“, flüsterte Erika und
lächelte. Im selben Moment, wo sich das Tor Erikas langsam schloss
und ihre Gestalt sich auflöste, öffnete sich ein Tor vor Elena. „Es
scheint, als hättest du mich „befriedigt.“ Sie drehte sich um
und lächelte ein wenig. Ihr Gesicht schien weinen zu wollen, aber
ich war mir nicht sicher, ob Geister überhaupt weinen konnten. Ich
war wie versteinert von den Geschehnissen und dem Anblick Elenas vor
mir. „Nun mach, und befriedige mich“, meinte sie mit etwas
höherer Stimmlage. Meine Hände vorsichtig nach vorne streckend,
begann es. Je näher sie dem Tor kamen, desto mehr fühlte ich dieses
unbeschreibliche Gefühl. Es war, als ob man die Seele eines Menschen
direkt in sich hätte. Es war ähnlich zu meiner Konfrontationen in
der Schwere mit ihr gewesen. Der Prozess schien so unglaublich
langsam voranzuschreiten, obwohl, und wohl auch gerade deswegen, die
Zeit kaum verging. Ich war erstaunt, wie viel Emotionen ich von Elena
in kurzer Zeit aufnehmen konnte. Die Erfahrungen aus ihrem Leben
gingen in mir über. Elena war fast vollständig aufgelöst und ihre
letzten Worte waren: „Gut gemacht, du gewinnst.“
– Was
ist ein Sieg? –
Ich
spürte wieder mit meinen normalen Sinnen, als ich plötzlich
Geräusche hörte. Die Treppen quietschten, es lief jemand nach oben.
Ich geriet etwas in Panik und hatte einen Art Tunnelblick Richtung
Fenster. Ohne viel nachzudenken ging ich durch das Fenster, zuerst in
die Position, wo ich mich an den Vorsprung am Fenster halten konnte
und sprang dann das kleine Stück hinunter auf den Erdboden. Meine
Füße taten etwas weh. Der Schmerz ging aber relativ schnell wieder
weg. Ich machte mich so schnell wie möglich auf zu dem Zaun und
hoffte, niemand hatte mich gesehen. Gerade wollte ich über den Zaun
steigen, da hörte ich eine bekannte Stimme, eine verrückte. „Willst
du mich einfach so verlassen?“, sagte sie mir. Ich wechselte in die
zweite Ebene, wie von alleine. Vor mir stand ein Geist, ein Mädchen,
welches so aussah wie Erika. „Bist du Erikas Schwester?“, fragte
ich sie. „Natürlich, bin ICH das“, erwiderte sie mit einem
angehängten Lachen. In ihrer Hand materialisierte sich eine Pistole.
Sie richtete sie auf mich. „Stirb!“, sagte sie und schoss. Eine
Kugel flog in meine Richtung, ich konnte sie aber mit relativ
normaler Geschwindigkeit sehen. Wie aus einem Reflex heraus, formte
ich einen gelben Faden und band ihn an die Kugel. Eine unglaubliche
Traurigkeit erfüllte mich, ich konnte die Kugel umlenken, weg von
mir. In der Zeit des Umlenkens spürte ich Gefühle der Traurigkeit
und sah Bruchstückhaft den Brand eines Hauses. Ich richtete wieder
meinen Blick nach vorne. Als ob sie den nächsten Schuss aufladen
würde, sammelten sich Lebenskräfte an dem Lauf der Pistole. Ich
wusste nicht, was ich tun sollte. Ich versuchte die Ebene zu
verlassen. „Nutzlos, nicht während ich hier bin“, meinte sie. In
der Tat: Es funktionierte nicht. Es wirkte so, als ob sie mir die
Konzentration rauben würde, um in die andere Ebene zu wechseln. Die
Lebenskräfte hörten auf sich an der Pistole zu sammeln. Sie
lächelte.
-
Hass und Vergeltung -
Lyn
erschien direkt vor Erikas Schwester.
Lyn:
Es
ist gut. Du brauchst nicht mehr Leiden, Lena.
Lena
wird von Lyn umarmt und die Pistole verschwindet.
Lena:
(Kurze Pause.) Es tut mir leid ...
Lyn:
Du kannst dafür nichts, rein gar nichts.
Lyn
küsst Lena.
Lyn:
Möge dein Geist in Frieden ruhen.
Lena:
Danke ...
Langsam
löst sich der Geist Lenas auf. Arata tritt einen Schritt vor und Lyn
dreht sich zu ihm um.
Arata:
Was ist gerade geschehen?
Lyn:
Es scheint so, als ob die Götter ihre Hände im Spiel hätten. Das
sollte eigentlich nicht sein. Das gerade war der Geist von Erikas
Schwester. Er sollte eigentlich schon in der dritten Ebene sein, aber
jemand hat ihn wohl wieder zurückgeholt. Geister, die zulange in der
göttlichen Ebene verweilen ohne verzehrt zu werden, können verrückt
werden.
Arata:
(Kurze Pause.) Die Götter? Sie haben ein Geist zurückgeholt
um mich anzugreifen?
Lyn:
Ich weiß es nicht. Vielleicht wollen sie dich töten ...
Arata:
Töten? Geht das überhaupt ...
Lyn:
Götter verfügen zwar über keine Kräfte, um dich in der ersten
Ebene physisch anzugreifen, aber wenn du in der zweiten Ebene
„stirbst“, ist es so, als ob du dein Verstand verlörest. Dein
Körper in der ersten Ebene wäre dann einfach leer.
Arata
kann keine Worte finden.
Lyn:
Fürchte dich nicht zu viel. Ich bin da, um dich zu beschützen, wenn
ich kann.
Arata:
Wenn du kannst? Was meinst du damit?
Lyn:
Nun, ich bin ein Wesen der göttlichen Ebene, aber genaues erkläre
ich dir später ... Du solltest jetzt lieber gehen oder du wirst in
deiner Ebene „entdeckt“.
Lyn
verschwindet in das Nichts.
Arata:
Entdeckt?
Ich
war wieder in meiner Ebene bei Bewusstsein. Die Person im Haus, es
fiel mir wieder ein. Bevor mich jemand entdeckte oder diese Person
rausschaute, sollte ich weg sein. Meine Lust darauf, dass mich noch
jemand anzeigte oder allgemein ausfragte, was ich hier machen würde,
war sehr gering. Ich begab mich auf dem Weg nach Hause und hoffte,
dass die vorangegangen Aktionen kein Aufsehen erregt haben.
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